In Bergisch Gladbach veranstaltet der Integrationsrat am 3. April an eine „Debatte“ zum Thema „Rechtsaußenparteien und ihre Aktivitäten vor der Landtagswahl“, die in nahezu perfekter Form den Niedergang der politischen Auseinandersetzung in diesem Land demonstriert.

Es handelt sich um eine Debatte ohne Gegner, dem man für seinen Ausschluss gleich noch auf unredliche Art die Schuld in die Schuhe schiebt. Mit einer Gleichsetzung von „Rechts“ und „Rechtsaußen“ wird seitens der Presse (und immer wieder auch seitens der Beteiligten) auf plumpe Art pauschalisiert, und dass der Integrationsrat sich zur Einladung berufen fühlt ist ein Anlass, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wozu er ansonsten hörbar schweigt.

Die journalistische Ankündigung auf lokaler Ebene wirft schon einen tristen Schatten voraus: Versuchen die Veranstalter zumindest vordergründig, sich laut Titel mit dem Thema „RechtsAUSSENparteien“ zu befassen (was auch immer das bei denen heißt), so werden schon in der Überschrift eines Ankündigungsartikels („Integrationsrat lädt zur Debatte über rechte Parteien“) mal wieder alle Grenzen verwischt, indem pauschal von rechten Parteien geschrieben wird.

Das ist natürlich unredlich, und die Zusammensetzung des Podiums zeigt, dass man auf die analoge Welt übertragen möchte, was sich in den sozialen Medien ganz häufig automatisch ergibt: Man möchte sich in seinem Echoraum ausbreiten und sich seiner selbst vergewissern. Mit dem lächerlichen, ja angesichts bspw. von Morddrohungen gegen Maritim-Mitarbeiter sogar infamen Vorwurf, man könne die AfD-Kandidaten nicht einladen, weil Störungen durch sie oder ihre Anhängerschaft zu befürchten seien, diskreditiert sich die Veranstaltung ebenfalls.

Dabei ist Tatsache: Die AfD bietet Angriffsfläche zur Demontage wie ein Scheunentor. Aus Sicht der Veranstalter brächten die Kandidaten sogar noch den „Vorteil“ mit, relativ unerfahren zu sein. Dennoch will man sich nicht stellen. Angesichts der vielen Angriffsflächen, die man selber bietet, ist dies vielleicht sogar etwas mehr Klugheit als Feigheit. Allerdings ist damit die Debatte ziemlich wertlos.
Mit Scheindebatten wie angekündigt wird man dieser Partei dann dummerweise einmal mehr Wind unter die Flügel blasen.

Einen Alexander Häusler und die „Altparteien“ auf dem Podium zu versammeln wird wohl die ganze Hoffnungslosigkeit, die von diesem Teil des Parteienspektrums ausgeht, offenbaren.

Es wäre nebenbei bemerkt auch irgendwie schön, die Integrationsräte würden ihrem Namen gerecht werden und in Zeiten zunehmender Segregation und Integrationsverweigerung bei ihren Wählern für unsere offene, aufgeklärte Gesellschaft werben. Gab es in dieser Wahlperiode bei den vielen und langen Sitzungen des hiesigen Integrationsrates einen einzigen Tagesordnungspunkt, der sich ernsthaft mit dieser Problematik befasst hätte?

Die Liberal-Konservativen Reformer haben jedenfalls im Sommer in Köln-Deutz anlässlich der türkischen Demo nach dem Putsch und Gegenputsch in der Türkei niemanden aus Bergisch Gladbach getroffen, der sich die vieltausendfachen Rufe, „Allah ist größer als Deutschland“ und „Erdogan ist größer als Deutschland“ einmal aus erster Hand angehört hätte.

Und gab es etwa eine Stellungnahme des Integrationsrates zu diesen Vorgängen? Oder gar eine nüchterne Bestandsaufnahme zur Entwicklung der Integration (oder Desintegration?) in diesem Land?

Es ist hier und da die Frauenunion in der CDU, die sich wenigstens gelegentlich Gedanken darüber macht, dass minderjährige Mädchen nach den Sommerferien nicht in die Schule zurückkommen, weil sie zwischenzeitlich irgendwo in einem Land, dass nicht einmal ihre Heimat ist, verheiratet wurden (was nicht heißen soll, dass es nicht auch hierzulande massenweise „Kinderehen“ gibt, wobei der Begriff verwischt, dass grundsätzlich nur ein Kind beteiligt ist). Oder dass Frauen in der Wohnung eingeschlossen werden, wenn der Mann das Haus verlässt (im Extremfall auf seinem Weg zu seinen anderen Frauen). Aber auch in der CDU wird das Thema dann blitzschnell totgeschwiegen. Von den opportunistischen Liberalen, für die solche Zustände eigentlich ein Brot- und Butterthema sein sollten, ist nach langjährigem Schweigen und Wegducken natürlich ebenfalls nichts mehr zu erwarten.

Und links-rot-grün möchte mehr davon, am besten mit Doppelpass und Wahlrecht.

Beim „Kampf gegen Rechts“ werden dieVeranstalter und die Vertreter des genannten Parteienspektrums auf dem Podium einmal mehr unter sich bleiben. Wenn diese Leute die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie gegen die Gegner einer offenen Gesellschaft repräsentieren, dann Gute Nacht. Im Zusammenhang mit dem von manchen angestrebten Bild von Bergisch Gladbach als Schlafstadt ist das sogar schlüssig.

LKR in Bergisch Gladbach betrauert Niedergang der Debattenkultur – Integrationsrat, Rechtsextremismusforscher und Altparteien demonstrieren ihre Art von pluralistischer Debattenkultur

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